{"id":120,"date":"2017-09-17T06:42:56","date_gmt":"2017-09-17T04:42:56","guid":{"rendered":"http:\/\/rdpk.sederstroem.net\/blog\/?p=120"},"modified":"2022-11-01T14:57:10","modified_gmt":"2022-11-01T12:57:10","slug":"empoerung-mal-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=120","title":{"rendered":"Emp\u00f6rung mal anders"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist mein erster Blog-Eintrag aus Japan. Es hat eine Weile gedauert, aber sich auf eine fremde Kultur einzulassen braucht eben seine Zeit. Obwohl\u2026 <strong>fremd<\/strong> passt nicht ganz.<\/p>\n<p><em><strong>Anders<\/strong><\/em> trifft es eher. Und anders ist hier vieles. Vor allem: ich. Hier bin ich diejenige, die anders aussieht, sich anders verh\u00e4lt und deshalb werde ich auch schon mal <strong>angestarrt.<\/strong> Und oft zu Recht. Im <a href=\"http:\/\/www.conbook-verlag.de\/buecher\/fettnaepfchenfuehrer-japan\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eFettn\u00e4pfchenf\u00fchrer Japan\u201c<\/a>, mit dem sch\u00f6nen Untertitel \u201eDie Axt im Chrysanthemenwald\u201c, tritt Herr Hoffmann aus Flensburg in 51 solcher N\u00e4pfchen. Und das ein oder andere davon habe auch ich schon mitgenommen. Obwohl die Menschen hier dann eher h\u00f6flich bis betreten <strong>weg- als hinsehen<\/strong>. Angestarrt werde ich meistens einfach, weil ich anders aussehe. Das ist zwar gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber es st\u00f6rt mich kaum noch. Und ich denke, dass ein sehr dunkelh\u00e4utiger Mann in einem bayrischen Dorf auch <strong>angestarrt<\/strong> wird, selbst wenn er Nelson M\u00fcller hei\u00dft und flie\u00dfend Deutsch spricht. Vielleicht sogar gerade dann.<!--more--><\/p>\n<p>Das Fremde und das Andere sind <strong>ambivalent,<\/strong> denn das Fremde kann die eigene Einzigartigkeit bedrohen oder best\u00e4rken. Meine <a href=\"http:\/\/blog.carinapape.net\/?p=49\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Berlin-Wedding<\/a> haben mich immer als erstes gefragt, ob ich Ausl\u00e4nderin sei. Meine Antwort hat ihnen gar nicht gefallen: Ja, in allen L\u00e4ndern dieser Welt, bis auf eines. Dies entspricht allerdings nicht unserer intuitiven Wahrnehmung: <strong>ausl\u00e4ndisch sind immer die anderen<\/strong>. Und mit \u201euns\u201c meine ich alle Menschen, die keinen \u201eMigrationshintergrund\u201c haben. Diese Kinder dagegen, die sich selbst nicht als Deutsche wahrnehmen, obwohl ihr Deutsch besser war als das in einer Eliteschule im sch\u00f6nen Zehlendorf, haben mich nachdenklich gemacht. Dass ausl\u00e4ndisch immer die anderen sind, stellt komischer Weise gar keinen Widerspruch zu der Tatsache dar, dass wir in rund 209 von rund 210 Staaten <strong>selbst die anderen<\/strong> sind.<\/p>\n<p>Um das <strong>am eigenen Leib<\/strong> zu erfahren reicht es nat\u00fcrlich nicht, eine Woche nach \u201eMalle\u201c zu fliegen. Wer sich l\u00e4nger einer fremden Kultur aussetzt, wird nicht nur angenehme Erfahrungen machen. Das betrifft die erw\u00e4hnten Blicke, aber auch Worte. Interessant ist, was wir finden, wenn wir \u201e<strong>rassistische Namen <em>f\u00fcr<\/em> Deutsche<\/strong>\u201c bei Google eingeben. Im September 2017 finden sich folgende Suchergebnisse\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.carinapape.net\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/GoogleRassismus.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-121 size-full\" src=\"https:\/\/blog.carinapape.net\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/GoogleRassismus.png\" alt=\"Google-Suchergebnisse f\u00fcr &quot;Schimpfworte f\u00fcr Deutsche&quot;\" width=\"626\" height=\"758\" srcset=\"https:\/\/blog.carinapape.net\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/GoogleRassismus.png 626w, https:\/\/blog.carinapape.net\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/GoogleRassismus-248x300.png 248w\" sizes=\"(max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a><br \/>\nDie Frage danach, inwiefern \u201ekolonialistische Stra\u00dfennamen und Begriffe nicht unschuldig\u201c sind, wie der <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/rassismus-im-stadtbild-sprache-ist-macht\/9252626.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tagesspiegel<\/a> bemerkt, ist wichtig (solche Begriffe tragen insofern ein <strong>rassistisches Erbe<\/strong>, da sie auf eine Zeit und eine Haltung verweisen, die nun mal rassistisch waren \u2013 oder sind). Allerdings ist das nicht das, <strong>wonach ich gefragt habe<\/strong>.<\/p>\n<p>Google geht hier selbst sehr \u201ekolonialistisch\u201c vor, das hei\u00dft, die Perspektive entspricht v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich der der (ehemaligen) Kolonialm\u00e4chte. Ausl\u00e4ndisch sind immer die anderen und daher betreffen \u201erassistische Begriffe f\u00fcr ausl\u00e4ndische Menschen\u201c nat\u00fcrlich auch nur die anderen. Das funktioniert aber nur solange, bis du dann <strong>selbst die andere<\/strong> bist: die <em>kraut<\/em> in den USA, die <em>gringa<\/em> in Mexiko, im Kantonesischen bist du <em>gwaipo,<\/em> ein \u201eGeistermensch\u201c. Richtig nett ist das alles nicht, wie auch das japanische <strong>gaijin,<\/strong> obwohl es wie auch die h\u00f6flichere Form <em>gaikokujin<\/em> eigentlich nur \u201eMensch von au\u00dferhalb\u201c hei\u00dft. Und nat\u00fcrlich h\u00e4ngt an diesen Namen keine Vergangenheit voller Erniedrigungen, Versklavung und anderer menschenverachtender Praktiken. Trotzdem: was f\u00fcr Waffen gilt, gilt auch f\u00fcr Worte. <strong><em>Menschen<\/em> verletzen Menschen<\/strong>. Mitunter mit Worten.<\/p>\n<p>Und das f\u00fchrt nicht selten zu <strong>Emp\u00f6rung<\/strong>. Besonders \u201ewei\u00dfe\u201c Menschen, europ\u00e4ischer oder nordamerikanischer Herkunft, sind geradezu entsetzt \u00fcber den <strong>Rassismus in Japan<\/strong>. In einem Forenbeitrag emp\u00f6rte sich ein US-Amerikaner allein schon dar\u00fcber, dass das Wort <em>gaijin<\/em> wei\u00dfe, schwarze und \u00fcberhaupt alle nicht-japanischen Menschen in einen Topf werfe. Das ist in der Tat emp\u00f6rend. Dass eine Person, die alle anderen als gleicherma\u00dfen \u201eanders\u201c wahrnimmt, sie auch gleicherma\u00dfen als \u201eMenschen von au\u00dferhalb\u201c bezeichnet\u2026<\/p>\n<p>\u00dcber die h\u00f6fliche und unh\u00f6fliche Variante lie\u00dfe sich ja diskutieren. Aber das Ironische hier ist, dass dieser Emp\u00f6rte gar nicht merkt, dass er selbst das macht, was er kritisiert: <strong>alle anderen in einen Topf werfen<\/strong> und sich selbst f\u00fcr etwas Besseres halten. Oder zumindest f\u00fcr \u201enicht einer von den anderen\u201c. Die Emp\u00f6rung dar\u00fcber, dass <em>gaijin<\/em> keinen Unterschied macht zwischen \u201eschwarz\u201c, \u201ewei\u00df\u201c und allem, was es sonst noch so gibt, ist ebenso <strong>kolonialistisch<\/strong> wie die oben erw\u00e4hnte Google-Perspektive. Das regt zum Nachdenken an. \u00dcber angemessene und unangemessene Emp\u00f6rung zum Beispiel.<\/p>\n<p>Vor der Emp\u00f6rung, einer Reaktion, die sich gegen eine <strong>Normverletzung<\/strong> wendet, kommt oft Irritation: Darf der das? Hat sie das jetzt wirklich gemacht? Oder: Sehe ich richtig? Letzteres dachte ich, als ich das Auto auf dem obigen Bild das erste Mal gesehen habe. Es steht unweit von meinem Wohnheim mitten auf der Stra\u00dfe herum. Und <strong>niemand<\/strong> emp\u00f6rt sich. In Deutschland w\u00e4re das wohl anders. Allerdings wies mein Mann mich darauf hin, dass unsere Irritation weniger von der Halbnacktheit ausgel\u00f6st wurde. Daran bin ich (leider) gew\u00f6hnt durch die immer wieder beklagte, aber doch irgendwie hingenommene \u00dcberflutung mit <strong>Sex und Gewalt<\/strong> in den deutschen Medien und \u00fcberlebensgro\u00dfe Br\u00fcste auf den allgegenw\u00e4rtigen Venus-Erotikmesse-Plakaten in Berlin \u2013 in Japan undenkbar!<\/p>\n<p>Die deutsche Emp\u00f6rung dar\u00fcber, dass die Dame auf dem japanischen Auto <strong>f\u00fcr einen Europ\u00e4er<\/strong> eher wie ein Kind aussieht, ist in Japan dagegen unverst\u00e4ndlich, da sie innerhalb der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kawaii\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">japanischen \u201eNiedlichkeits\u00e4sthetik\u201c<\/a> jenseits der Unterteilung Frau\/Kind steht. Diese kulturelle Feinheit missachtend h\u00e4tten auch in den USA christlich-konservative M\u00fctter wahrscheinlich schon l\u00e4ngst eine w\u00fctende Kampagne gestartet und einen <strong>shitstorm<\/strong> ausgel\u00f6st, ein sch\u00f6nes neumodisches Wort f\u00fcr \u201eEmp\u00f6rung in den sozialen Medien\u201c.<\/p>\n<p>Mit der Betonung auf <em>Medien<\/em>. Denn <strong>sozial ist Emp\u00f6rung immer<\/strong>. Ohne \u201adie anderen\u2018 gibt es keine Emp\u00f6rung. Eine Norm oder eine Regel, mit der ich mich identifiziere, wurde verletzt. Und von wem? Von den anderen nat\u00fcrlich! Wir k\u00f6nnen uns <strong><em>\u00fcber<\/em> andere<\/strong> emp\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen uns auch gemeinsam <strong><em>mit<\/em> anderen<\/strong> \u00fcber etwas emp\u00f6ren. Aber nicht \u00fcber uns selbst. Nicht etwa, weil wir nichts Emp\u00f6rendes tun. Aber emp\u00f6rend sind immer nur die anderen. Das liegt daran, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen der Wahrnehmung der anderen und meiner Selbstwahrnehmung gibt.<\/p>\n<p>Wenn eine andere Person eine mir wichtige Norm verletzt hat, empfinde ich <em><strong>Emp\u00f6rung<\/strong><\/em> dar\u00fcber. Wenn ich selbst etwas \u00e4hnlich Schwerwiegendes getan habe, empfinde ich <a href=\"https:\/\/www.mohr.de\/buch\/scham-und-macht-9783161471292?createPdf=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em><strong>Scham<\/strong><\/em><\/a>. In beiden F\u00e4llen schreibe ich einer Person Schuld zu, nur dass diese Schuldzuschreibung im Falle der Emp\u00f6rung auf eine andere Person gerichtet ist und im Falle von Scham auf mich selbst. Und das f\u00fchlt sich sehr verschieden an. Wenn ich mich sch\u00e4me, werde ich \u201eganz klein\u201c, richte den Blick nach unten \u2013 und nach innen \u2013 und m\u00f6chte am liebsten <strong>im Boden versinken<\/strong>. Die Richtung der Emp\u00f6rung ist entgegengesetzt, nach au\u00dfen gewandt: Ich zeige metaphorisch mit dem Finger auf die andere Person oder f\u00fchle mich als k\u00f6nnte ich <strong>explodieren.<\/strong> Dieser leibliche Unterschied spiegelt sich im deutschen Wort. Es gibt eine Reihe von Konsonanten, die \u201ePlosive\u201c hei\u00dfen, und nicht von ungef\u00e4hr. \u201eP\u201c ist so einer. Das \u201eEm\u201c ist der Sprung auf das Sprungbrett und mit dem \u201ep\u00f6\u201c in der Mitte gehe ich im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft.<\/p>\n<p>Ich kann mich interessanter Weise auch <strong>fremdsch\u00e4men,<\/strong> wenn die fragliche Person in einer Verbindung mit mir steht, zum Beispiel mein bester Freund sich daneben benimmt oder ein Landsmann beim japanischen Essen nicht nur zu ungeschickt ist, um mit St\u00e4bchen zu essen, sondern das dann in obendrein nicht gerade beneidenswerter englischer Aussprache kommentiert mit einem: \u201eFork and knife are really an improvment!\u201c Und das habe ich mir nicht ausgedacht und auch nicht falsch verstanden, denn er zeigte generell nicht gerade viel Respekt f\u00fcr die japanische Kultur. Auch wenn die Fremdscham in diesem Moment \u00fcberwog \u2013 theoretisch h\u00e4tte ich mich auch emp\u00f6ren k\u00f6nnen \u00fcber diese <strong>Intoleranz<\/strong> und <strong>\u00dcberheblichkeit.<\/strong> Genauso, wie er es scheinbar emp\u00f6rend fand, mit St\u00e4bchen essen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ja, <strong>emp\u00f6rend sind immer die anderen<\/strong>. Und alle haben Recht.<\/p>\n<p>Das spiegelt sich auch im englischen \u201e<strong>righteous indignation<\/strong>\u201c \u2013 Emp\u00f6rung als \u201egerechter Zorn\u201c \u2013 oder im japanischen Wort \u201egifun\u201c (\u7fa9\u61a4). Das Interessanteste aber war f\u00fcr mich, dass alles, was ich gerade beschrieben habe, in Japan gar nicht stimmt. \u201eGifun\u201c (\u7fa9\u61a4) setzt sich zwar aus dem Kanji f\u00fcr Emp\u00f6rung: \u61a4 und \u7fa9 (gi) zusammen, was auf ein Rechts-oder Gerechtigkeitsempfinden verweist, und kann daher als \u201erighteous indignation\u201c \u00fcbersetzt werden. Aber dies ist gerade nichts, was wir in Japan in der \u00d6ffentlichkeit sehen. Die Unterscheidung zwischen <strong>nach innen gerichteter Scham<\/strong> und <strong>nach au\u00dfen gerichteter Emp\u00f6rung<\/strong>, die f\u00fcr mich als Europ\u00e4erin bisher selbstverst\u00e4ndlich und intuitiv nachvollziehbar war, gilt hier nicht.<\/p>\n<p>Das liegt unter anderem an der in Japan wiederum selbstverst\u00e4ndlichen Unterscheidung zwischen \u00f6ffentlich (tatemae \u5efa\u524d) und privat (honne \u672c\u97f3), die vielleicht auch dazu f\u00fchrt, dass das Bild auf dem Auto gar nicht emp\u00f6rend ist. In meiner Wahrnehmung ist die japanische \u00d6ffentlichkeit gewisserma\u00dfen <strong>asexuell,<\/strong> denn alles <strong>Intime<\/strong> wird in der \u00d6ffentlichkeit nicht gezeigt. Das gilt f\u00fcr (echte) nackte Br\u00fcste ebenso wie f\u00fcr K\u00fcsse. Werden Gef\u00fchle \u00f6ffentlich gezeigt, durch H\u00e4ndchenhalten oder gar K\u00fcsse, werden sie nicht mehr als intim wahrgenommen, sondern als <strong>oberfl\u00e4chlich, k\u00fcnstlich, unecht<\/strong>. Wie die Br\u00fcste auf dem Venus-Messe-Plakat.<\/p>\n<p>Da Emp\u00f6rung eine (auch) <strong>emotionale Reaktion<\/strong> auf die Verletzung einer Norm ist, mit der ich mich <strong>pers\u00f6nlich identifiziere<\/strong>, ist es vielleicht gar nicht so erstaunlich, dass sie nicht \u00f6ffentlich gezeigt wird. Ein japanischer Kollege sagte, es sei durchaus eine starke, negative Haltung, die aber <strong>nach <em>innen<\/em> gerichtet<\/strong> ist. Und ein anderer sagte, dass es massenhaft Emp\u00f6rung, \u6012\u308a (ikari, eigentlich &#8222;Zorn&#8220;) \u00fcber Nord-Korea in japanischen ICQ-Beitr\u00e4gen g\u00e4be, er aber noch nie jemanden etwas \u00e4hnliches hat <em>sagen h\u00f6ren<\/em>. Japanische Menschen emp\u00f6ren sich demnach nur in <strong>sozialen Netzwerken<\/strong>. Vielleicht auch \u00fcber Venus-Messe-Plakate. Vielleicht aber auch nicht. Zumindest zeigt hier in der realen Welt niemand mit dem Finger darauf, weder metaphorisch noch w\u00f6rtlich.<\/p>\n<p>Am interessantesten finde ich aber, dass <strong>deutsche Emp\u00f6rung,<\/strong> mit allem was dazu geh\u00f6rt, b\u00f6sem Blick und tadelndem Zeigefinger, wiederum <strong>japanische Emp\u00f6rung<\/strong> ausl\u00f6sen k\u00f6nnte: Darf der das (mich b\u00f6se angucken)? Hat sie das wirklich gemacht (mit dem Finger auf mich gezeigt)? Das \u00f6ffentliche Tadeln und noch dazu verbunden mit \u00f6ffentlich zur Schau gestellten Gef\u00fchlen stellt in Japan gerade eine Regelabweichung oder <strong>Normverletzung<\/strong> dar, auf die ein Japaner durchaus mit Emp\u00f6rung reagieren k\u00f6nnte. Nur dass ich davon dann eben nichts mitbekomme.<\/p>\n<p>Emp\u00f6rung gibt es auf der ganzen Welt, aber <strong>wor\u00fcber<\/strong> wir uns emp\u00f6ren und <strong>wie<\/strong> wir uns emp\u00f6ren, kann sehr unterschiedlich sein. Und mit \u201ewir\u201c meine ich diesmal \u201ewir Menschen\u201c. Eine emp\u00f6rte Reaktion kann eine Person auf ihren Regelversto\u00df hinweisen und zur <strong>moralischen Besserung<\/strong> beitragen. Emp\u00f6rung kann aber ebenso \u201erighteous\u201c im Sinne von <strong>selbst-gerecht<\/strong> sein. Oder kolonialistisch. \u00dcber solche <strong>emp\u00f6rende Emp\u00f6rung<\/strong> nachzudenken lohnt sich immer \u2013 und mal in die Rolle der Anderen zu schl\u00fcpfen kann dabei sehr hilfreich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist mein erster Blog-Eintrag aus Japan. Es hat eine Weile gedauert, aber sich auf eine fremde Kultur einzulassen braucht eben seine Zeit. Obwohl\u2026 fremd passt nicht ganz. 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