{"id":231,"date":"2020-04-19T12:40:18","date_gmt":"2020-04-19T10:40:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=231"},"modified":"2020-04-19T12:40:18","modified_gmt":"2020-04-19T10:40:18","slug":"warum-japanerinnen-nicht-immer-die-besseren-kantianerinnen-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=231","title":{"rendered":"Warum Japaner*innen nicht immer die besseren Kantianer*innen sind"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Oder: Inwieweit sollten wir unsere Freiheit tats\u00e4chlich einschr\u00e4nken?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=191\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">anderen Beitrag<\/a> habe ich daf\u00fcr pl\u00e4diert, dass eine Japanerin die <strong>bessere Kantianerin<\/strong> ist. Zumindest, wenn es um Erk\u00e4ltungen geht. Dem Bed\u00fcrfnis, alles Schlechte bei sich zu behalten, seien es negative Gef\u00fchle oder Erk\u00e4ltungsviren, kommt sie dadurch nach, einen Mundschutz zu tragen, wenn sie erk\u00e4ltet ist. Dieses Verhalten wirkt auf Nicht-Japaner*innen meist merkw\u00fcrdig, ist bei genauer Betrachtung aber nicht nur sehr r\u00fccksichtsvoll, sondern auch viel <strong>vern\u00fcnftiger<\/strong>, als in die eigene Hand zu husten und damit dann alles M\u00f6gliche anzufassen. So, wie wir es meist gelernt haben. Dem <strong>Kategorischen Imperativ<\/strong> h\u00e4lt letzteres Verhalten kaum Stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne Kants ist es vern\u00fcnftig, sich an (vern\u00fcnftige) Gesetze und Regeln zu halten, auch wenn sie mich in meiner Freiheit beschr\u00e4nken. Und hier kommt der Grund, warum eine Japanerin doch nicht immer die bessere Kantianerin ist. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Denn, w\u00e4hrend die Regel, bei Erk\u00e4ltung und Ansteckungsgefahr im Sinne aller Menschen einen Mundschutz zu tragen, durchaus als <strong>universell vern\u00fcnftige Regel<\/strong> angesehen werden kann, trifft dies nicht auf alle Regeln zu. Wie oft habe ich als Antwort auf mein Unverst\u00e4ndnis, warum etwas nicht m\u00f6glich ist, in Japan den Satz geh\u00f6rt: <strong>It\u2019s a rule<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, aber es ist eine bl\u00f6de Regel!<\/p>\n\n\n\n<p>Japan gilt ja als ein Land der Gegens\u00e4tze, zwischen Moderne und Tradition. Manche <strong>Traditionen<\/strong> sind eigentlich ganz sinnvoll. Es erscheint uns zwar merkw\u00fcrdig, sowohl die \u00c4rztin als auch den Lehrer mit Meister oder Meisterin anzusprechen. Das klingt nach Unterordnung und <strong>Hierarchie<\/strong>. Und die sind schlecht, das wissen wir sp\u00e4testens seit der Franz\u00f6sischen Revolution. Dabei vergessen wir, dass wir seit der Studienreform unz\u00e4hlige Master produziert haben. Und tats\u00e4chlich ist diese \u00dcbersetzung f\u00fcr <strong><em>sensei<\/em><\/strong> nicht ganz treffend. Darin dr\u00fcckt sich noch vielmehr etwas aus, wovor man ganz selbstverst\u00e4ndlich <strong>Respekt<\/strong> haben kann. <em>Sen<\/em> hei\u00dft \u201evorher\u201c oder \u201efr\u00fcher\u201c und <em>sei<\/em> hei\u00dft \u201eLeben\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich also um eine Person, die schlicht <strong>l\u00e4nger lebt<\/strong> und daher auch mehr <strong>Erfahrung<\/strong> und Weisheit hat, als die Person, die ihr gegen\u00fcber die Anrede <em>sensei<\/em> benutzt, also die Sch\u00fclerin zum Beispiel. Ein Student sagte k\u00fcrzlich zu mir \u201eSie sind ja \u00e4lter\u2026 \u00e4h, ich meine\u2026 also, Sie wissen mehr als ich\u2026\u201c Er hat nat\u00fcrlich recht. Ich bin um einiges \u00e4lter als er und habe daher mehr erlebt. Dass ihm diese eigentliche <strong>Wertsch\u00e4tzung<\/strong> meines h\u00f6heren Alters im n\u00e4chsten Moment unangenehm war, liegt nat\u00fcrlich daran, dass Alter in unserer Kultur nichts <strong>Positives<\/strong> (mehr) ist. Schon gar nicht f\u00fcr eine Frau. Schade eigentlich. Wobei genau das auch so ein Punkt in Japan ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Um sich die Anrede <em>sensei<\/em> zu verdienen, gen\u00fcgt es nicht, l\u00e4nger gelebt zu haben. Man muss mit dieser Lebenszeit auch etwas Sinnvolles angestellt haben. Und leider sind diejenigen mit den guten Abschl\u00fcssen und hochrangigen Positionen auch in Japan noch immer eher M\u00e4nner. Und die sinnvolle Regel, einer <strong>\u00e4lteren Person<\/strong> Respekt und Anerkennung zu erweisen, f\u00fcr das was sie geleistet hat, also eine Wertsch\u00e4tzung von Alter und Lebenserfahrung, wird mitunter in Japan selbst durch Regeln au\u00dfer Kraft gesetzt, die \u00fcberhaupt nicht universell sinnvoll erscheinen: <strong>M\u00e4nner vor Frauen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Regel f\u00fchrt zum Beispiel dazu, dass bei Zeremonien nicht nur das <strong>Alter<\/strong>, sondern auch das <strong>Geschlecht<\/strong> die Rangfolge festlegt. In einer japanischen Schule werden bei Verabschiedungen Reden gehalten, wobei die \u00e4ltesten Kollegen zuerst sprechen. Tats\u00e4chlich die \u00e4ltesten Kollegen, nicht Kolleginnen. Eine Lehrerin war selbst \u00e4lter als einige Kollegen, die dennoch vor ihr sprechen sollten. Sie sprach dies auf einer Versammlung an. Es wurde dar\u00fcber diskutiert, die m\u00e4nnlich dominierte Reihenfolge wurde aber beibehalten. Der (etwas j\u00fcngere) Lehrer, der vor ihr redete, sprach den Sachverhalt in seiner Rede selbst an und sagte, dass hier noch viel getan werde m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist performativ betrachtet h\u00f6chst interessant, dass er die geschlechterdiskriminierende Hierarchie beibehielt, diese aber in dem selbst geschlechterdiskriminierend hierarchischen Akt kritisierte. Ob dies nun zu einer <strong>Ver\u00e4nderung<\/strong> f\u00fchren kann oder den <em>status quo<\/em> doch eher aufrechterh\u00e4lt? Interessant ist, dass hier tats\u00e4chlich Regeln befolgt werden, die einer vern\u00fcnftigen Pr\u00fcfung nicht standhalten. M\u00e4nnern grunds\u00e4tzlich den Vorrang zu geben ist <strong>nicht vern\u00fcnftig<\/strong>. Wenn wir Angela Merkel und Theresa May mit Donald Trump oder Boris Johnson vergleichen, ich meine \u2013 bitte! Ich denke zwar nicht wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/William_Moulton_Marston\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prof. Marston<\/a>, dass Frauen die besseren Menschen oder kl\u00fcger sind, aber M\u00e4nner sind es definitiv auch nicht! Und selbst die Regel, die hinter der Anrede <em>sensei<\/em> steckt, greift nicht immer. Nicht alle, die \u00e4lter sind, sind auch weiser\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Festhalten<\/strong> an solchen <strong>Regeln<\/strong> und mit der Begr\u00fcndung, dass es eben eine Regel ist, sind Japaner*innen vielleicht dann doch nicht die besseren Kantianer*innen. Wobei das schwierig zu bewerten ist. Kant selbst war der Ansicht, dass das <strong>sch\u00f6ne Geschlecht<\/strong> durchaus denken <em>k\u00f6nne<\/em>, es <em>solle<\/em> aber aus Vernunft auf ein b\u00fcrgerliches Leben, also politische Beteiligung, Erwerbst\u00e4tigkeit usw. verzichten, weil es f\u00fcr die heimischen Aufgaben viel besser geeignet sei, als die M\u00e4nner. Auch ein Grund. Damit bereitete er der europ\u00e4ischen b\u00fcrgerlichen Geschlechterhierarchie des 19. Jahrhunderts den Weg, die bis heute nachwirkt und der japanischen gar nicht so un\u00e4hnlich ist. Die M\u00e4nner stehen und reden an erster Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch die <strong>Aufkl\u00e4rungsschrift<\/strong> klingt gar nicht so inkompatibel mit der japanischen It\u2019s a rule-Mentalit\u00e4t. Steht dort doch, dass der \u00f6ffentliche Gebrauch der Vernunft immer frei sein muss, der private aber eingeschr\u00e4nkt. Das ist etwas missverst\u00e4ndlich, denn der \u00f6ffentliche meint den des Gelehrten, der private den des B\u00fcrgers. Also: Als Philosophin kann und muss ich frei denken und kritisieren, als Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst muss ich \u2013 <strong>gehorchen<\/strong>. Tja, da ist was dran. In meinem Fall nicht ganz so einleuchtend wie in Kants Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>So w\u00fcrde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste \u00fcber die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit oder N\u00fctzlichkeit dieses Befehls laut vern\u00fcnfteln wollte; er mu\u00df gehorchen. Es kann ihm aber billigerma\u00dfen nicht verwehrt werden, als Gelehrter \u00fcber die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publicum zur Beurtheilung vorzulegen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/korpora.zim.uni-duisburg-essen.de\/Kant\/aa08\/037.html\" target=\"_blank\">Was ist Aufkl\u00e4rung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem zweiten Weltkrieg sehen wir auch das anders, die Pflicht zur <strong>Gehorsamsverweigerung<\/strong> aus moralischen Gr\u00fcnden soll eine zweite Nazi-Zeit verhindern. Aber jeden \u201eBefehl\u201c in Frage zu stellen w\u00fcrde tats\u00e4chlich dazu f\u00fchren, dass wir unsere \u201eb\u00fcrgerlichen\u201c Aufgaben nicht mehr erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Wenn der <strong>Krankpfleger<\/strong> jede Anweisung der Ober\u00e4rztin in Frage stellt, kommt das den Behandelten kaum zugute.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um das <strong>richtige Ma\u00df<\/strong> an kritischem Infragestellen und dem unhinterfragten Befolgen von Anweisungen (aufgrund von Vertrauen in Wissen und Vernunft der anweisenden Person). Wenn Kant hier auch nicht so weit geht wie der \u201eTranszendentalist\u201c <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henry_David_Thoreau\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Henry David Thoreau<\/a>, der 1849 die Pflicht zum zivilen Ungehorsam propagierte, also <em>gerade<\/em> die <strong>Gehorsamsverweigerung<\/strong> in der b\u00fcrgerlichen Funktion \u2013 ein <em>blindes<\/em> Befolgen von Regeln hei\u00dft auch Kant nicht gut:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Satzungen und Formeln<\/em><\/strong><em>, diese mechanischen Werkzeuge eines vern\u00fcnftigen Gebrauchs oder vielmehr Mi\u00dfbrauchs seiner Naturgaben, sind die <strong>Fu\u00dfschellen<\/strong> einer immerw\u00e4hrenden Unm\u00fcndigkeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/korpora.zim.uni-duisburg-essen.de\/Kant\/aa08\/036.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Was ist Aufkl\u00e4rung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist das vorsichtige Vorgehen des japanischen Lehrers, der sein eigenes Verhalten in dem Moment, in dem er es vollzieht, kritisiert, ja doch nicht so unkantisch?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Daher kann ein Publicum nur langsam zur Aufkl\u00e4rung gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von pers\u00f6nlichem Despotism und gewinns\u00fcchtiger oder herrschs\u00fcchtiger Bedr\u00fcckung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zu Stande kommen [\u2026].<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/korpora.zim.uni-duisburg-essen.de\/Kant\/aa08\/036.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Was ist Aufkl\u00e4rung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Also <strong>Reform<\/strong> statt Revolution? Und der Gehorsam? Im <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=191\" target=\"_blank\">erw\u00e4hnten Beitrag \u00fcber Erk\u00e4ltungen und Mundschutze<\/a> hatte ich das <strong>Hindernis eines Hindernisses der Freiheit<\/strong> angesprochen und auf das Tragen des Mundschutzes \u00fcbertragen. In der Aufkl\u00e4rungsschrift ist unmissverst\u00e4ndlich, was Kant mit diesem \u201eParadox\u201c meint:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>r\u00e4sonnirt, so viel ihr wollt, und wor\u00fcber ihr wollt; nur gehorcht!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/korpora.zim.uni-duisburg-essen.de\/Kant\/aa08\/041.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Was ist Aufkl\u00e4rung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich soll meine b\u00fcrgerliche Freiheit einschr\u00e4nken und gehorchen, um die intellektuelle Freiheit zu sichern und zu f\u00f6rdern, die der eigentliche <strong>Quell der Aufkl\u00e4rung<\/strong> ist, so Kant. Ich muss mich als Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst zum Beispiel an bestimmte Dienstwege halten, kann dann aber als Philosophin dar\u00fcber schreiben, wie unsinnig diese sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, ein bisschen <strong>schief<\/strong> klingt das schon. Entspricht allerdings dem Verhalten des japanischen Lehrers. Er folgt der Regel in seiner b\u00fcrgerlichen Funktion als Lehrer, sagt aber seine kritische Meinung dazu. Genaugenommen macht er damit ganz im Sinne Kants freien Gebrauch seiner Vernunft als Intellektueller, er <strong>r\u00e4soniert<\/strong>, bei gleichzeitiger Einschr\u00e4nkung seines Gebrauchs der Vernunft in seiner b\u00fcrgerlichen Funktion als Angestellter im Schuldienst, er <strong>gehorcht<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur \u2013 wem gehorcht er eigentlich? Der Tradition? Oder den Regeln des Kollegiums? K\u00f6nnte das Kollegium, dem er selbst ja auch angeh\u00f6rt, die Regeln nicht einfach \u00e4ndern? W\u00e4re hier eine kleine <strong>Revolution<\/strong> nicht doch besser?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die von Yumi Ishikawa initiierte <strong><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2019\/jun\/03\/women-in-japan-protest-against-having-to-wear-high-heels-to-work-kutoo-yumi-ishikawa\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">#KuToo-Bewegung<\/a><\/strong>, die kritisiert, dass viele japanische Frauen am Arbeitsplatz Schuhe mit einem Absatz zwischen 5 und 7 Zentimetern tragen m\u00fcssen. Was \u00fcbrigens ein globales Ph\u00e4nomen ist, das von Norwegens Fluglinien \u00fcber Kanada bis zu den Filmfestspielen von Cannes reicht (Julia Roberts kam, nachdem flachbeschuhten Frauen der Zutritt zum\u00a0 Roten Teppich verweigert wurde, im n\u00e4chsten Jahr demonstrativ <strong>barfu\u00df<\/strong>).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sch\u00f6ne an der Position einer Schauspielerin wie Ishikawa oder Roberts im Unterschied zu dem einer Stewardess oder Lehrerin ist, dass sie genaugenommen gar keine <strong>b\u00fcrgerliche Rolle<\/strong> haben, folglich auch niemandem gehorchen m\u00fcssen, damit irgendetwas funktioniert. F\u00fcr die Lehrerin oder Stewardess bestehen heute zwei M\u00f6glichkeiten. Die eine, die Kant empfiehlt: in der b\u00fcrgerlichen Rolle (\u201eprivater\u201c Gebrauch der Vernunft) gehorchen (und hohe Schuhe tragen und als zweite sprechen), aber in der Rolle der Intellektuellen \/ Person des \u00f6ffentlichen Lebens (\u00f6ffentlicher Gebrauch) Kritik \u00fcben. Und das geht, <strong>Twitter<\/strong> sei Dank!<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite M\u00f6glichkeit konnte Kant noch nicht vorhersehen. Sie k\u00f6nnten in <strong>Streik<\/strong> treten, also gerade den von ihm geforderten b\u00fcrgerlichen Gehorsam verweigern. Ob Kant das gut gefunden h\u00e4tte? Wer wei\u00df. Und w\u00e4hrend solche Japaner, wie der Lehrer, der den freien Gebrauch seiner Vernunft im Sinne Kants eingeschr\u00e4nkt, aber dennoch Kritik ge\u00fcbt hat, eben sehr <strong>Kantisch<\/strong> sind, sind solche Japanerinnen wie Ishikawa vielleicht sogar Kantischer als Kant selbst, wenn er doch auch schreibt, dass <em><a href=\"https:\/\/korpora.zim.uni-duisburg-essen.de\/Kant\/aa08\/036.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Satzungen und Formeln die <strong>Fu\u00dfschellen<\/strong> einer immerw\u00e4hrenden Unm\u00fcndigkeit <\/a><\/em>sind. Und High Heels mochte er, wie alles \u00fcbertrieben Aufgeputzte, wohl auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist die Frage gar nicht, wer hier die bessere Kantianerin ist (auch Kant war ja alles andere als unfehlbar), sondern was wir <strong>vern\u00fcnftigerweise<\/strong> verantworten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also weg mit den <strong>Fu\u00dfschellen<\/strong>, im wahrsten Sinne des Wortes!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Inwieweit sollten wir unsere Freiheit tats\u00e4chlich einschr\u00e4nken? In einem anderen Beitrag habe ich daf\u00fcr pl\u00e4diert, dass eine Japanerin die bessere Kantianerin ist. Zumindest, wenn es um Erk\u00e4ltungen geht. Dem Bed\u00fcrfnis, alles Schlechte bei sich zu behalten, seien es negative Gef\u00fchle oder Erk\u00e4ltungsviren, kommt sie dadurch nach, einen Mundschutz zu tragen, wenn sie erk\u00e4ltet ist. &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=231\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Warum Japaner*innen nicht immer die besseren Kantianer*innen sind<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":240,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,2],"tags":[219,224,149,165,225,207,222,46,132,153,47,221,223,220,29,65],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=231"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":241,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions\/241"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}