{"id":308,"date":"2021-05-03T20:54:30","date_gmt":"2021-05-03T18:54:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=308"},"modified":"2022-11-01T14:55:17","modified_gmt":"2022-11-01T12:55:17","slug":"entschuldige-mal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.carinapape.net\/?p=308","title":{"rendered":"Entschuldige mal!"},"content":{"rendered":"\n<p>Erst der Radiosender Bayern 3, dann Angela Merkel und nun J\u00fcrgen Habermas \u2013 Entschuldigungen oder <strong>Schuldeingest\u00e4ndnisse<\/strong> scheinen momentan in Mode zu kommen. Im M\u00e4rz 2021 widmete <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2021\/12\/entschuldigungen-oeffentlichkeit-soziale-netzwerke-aufmerksamkeit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DIE ZEIT<\/a> diesem Ph\u00e4nomen eine ganze Seite unter der \u00dcberschrift \u201eSogar der Postbote entschuldigt sich, weil er das Paket auf den Briefkasten legt, statt es nach oben zu bringen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nun ja, ich habe da ganz andere Erfahrungen mit Postbot*innen gemacht, bessere und schlechtere. Aber das ist eine andere Geschichte. Interessant ist, dass gar nicht jede Entschuldigung auch ein Schuldeingest\u00e4ndnis ist. \u00dcber Merkel und Habermas l\u00e4sst sich noch streiten. Bei der \u201eEntschuldigung\u201c von Bayern 3 f\u00fcr die <strong>rassistische Bemerkung<\/strong> ihres Moderators sieht es anders aus. Weil sie seine Lieblingsband Coldplay gecovert hatten, bezeichnete er eine s\u00fcdkoreanische Boygroup als einen <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2021\/12\/entschuldigungen-oeffentlichkeit-soziale-netzwerke-aufmerksamkeit\/seite-2?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.startpage.com%2F\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eSchei\u00dfvirus\u201c. Wie SARS<\/a>. Er sei aber nicht fremdenfeindlich, \u201edenn \u201aer habe ein Auto aus S\u00fcdkorea\u2018\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Satz ist offensichtlich keine Entschuldigung. Die folgte vom Sender erst auf den w\u00fctenden Hashtag #Bayern3Apologize. Zun\u00e4chst \u201eentschuldigte\u201c der Sender sich daf\u00fcr, dass die \u00c4u\u00dferung als rassistisch empfunden wurde. Und nach weiterer <strong>Kritik<\/strong> kam schlie\u00dflich die Erg\u00e4nzung, dass, wenn \u00c4u\u00dferungen so empfunden werden, sie auch rassistisch sind. \u00dcber mehr als drei Ecken wurde hier die Schuld eingestanden. Aber ist das \u00fcberhaupt noch eine <strong>Entschuldigung<\/strong>?<\/p>\n\n\n\n<p>Ja! Der Sprachphilosoph John L. Austin besch\u00e4ftigt sich in seinem viel zu wenig gelesenen <em>Plea for Excuses <\/em>mit genau dieser sprachlichen Praxis des <strong>Be- und Entschuldigens<\/strong>. Er war der Ansicht, dass diese ein neues Licht auf Moral werfen k\u00f6nne. Da stimme ich ihm zu. Allerdings verdecken uns unsere kulturellen <strong>Scheuklappen<\/strong> dabei manchmal ein wenig die Sicht. Auch oder gerade auf uns selbst. Schauen wir uns das Ganze also mal genauer an!<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich ist Austins Analyse allt\u00e4glicher Situationen, in denen wir \u201eEntschuldige\u201c oder \u201eExcuse me\u201c sagen, noch genauso treffend wie 1950, als er seinen <em>Plea for Excuses<\/em> vortrug. Ob ich zu sp\u00e4t zu einer Verabredung komme oder auf ein Insekt trete (oder eine rassistische \u00c4u\u00dferung get\u00e4tigt habe) \u2013 ihm zufolge gibt es auf die darauf folgende <strong>emp\u00f6rte Reaktion<\/strong> bzw. Beschuldigung zwei typische Antworten: eine <em>Entschuldigung<\/em> (<em>excuse<\/em>) oder eine <em>Rechtfertigung<\/em> (<em>justification<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich entschuldige, gestehe ich ein, dass meine Handlung <strong>falsch<\/strong> war, lehne aber die (volle) <strong>Verantwortung<\/strong> daf\u00fcr ab. Zum Beispiel weil es ein Versehen war: \u201eEntschuldige bitte, aber\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 der Bus kam zu sp\u00e4t!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 ich habe den K\u00e4fer gar nicht gesehen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 es war gar nicht meine Absicht, jemanden rassistisch zu beleidigen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich rechtfertige, \u00fcbernehme ich die Verantwortung f\u00fcr die Handlung, <strong>bestreite<\/strong> aber, dass sie falsch war: \u201eEntschuldige, aber\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 es sind doch nur 5 Minuten und du bist doch selbst immer zu sp\u00e4t!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 es ist doch nur ein bl\u00f6der K\u00e4fer!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 das wird man doch noch sagen d\u00fcrfen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das ABER scheint in beiden F\u00e4llen essentiell. Denken wir einmal kurz an die letzte derartige Situation in unserem Leben. Sehr wahrscheinlich sah die Reaktion genau so aus. Aber wer von uns kann sich daran erinnern, das letzte Mal stattdessen die Worte vernommen zu haben: \u201e<strong>Es tut mir leid! Daf\u00fcr gibt es keine Entschuldigung<\/strong>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bei mir war das 2018. Obwohl\u2026 genaugenommen waren es nicht diese Worte, sondern \u201e<em>ssumimassen<\/em>\u201c. Denn ich befand mich in Japan. Auf den ersten Blick beziehungsweise den ersten H\u00f6rer scheint es so, als w\u00fcrden die Menschen sich dort viel h\u00e4ufiger entschuldigen. Austin sagt, dass wir durch ein gesch\u00e4rftes Bewusstsein der W\u00f6rter auch unsere <strong>Wahrnehmung der Ph\u00e4nomene<\/strong> sch\u00e4rfen. Das ist ein guter Ansatz, finde ich. Aber etwas fehlt bei ihm. N\u00e4mlich der Blick \u00fcber den eigenen Tellerrand.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine <strong>interkulturelle<\/strong> Erweiterung von Austins Ansatz ist hier vielversprechend. Der Austausch mit anderen Kulturen kann nicht nur den eigenen pers\u00f6nlichen Horizont erweitern, sondern auch die eigene Theoriebildung. Denn auch wenn Wissenschaft objektiv zu sein scheint und ihre Erkenntnisse universal anmuten \u2013 nicht zuletzt die feministische Philosophie oder die Post Colonial Studies haben uns da eigentlich eines Besseren belehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn \u201eder Mensch\u201c <strong>unreflektiert<\/strong> vom m\u00e4nnlichen Standpunkt aus beschrieben wird, fallen weibliche Leib- und Welterfahrungen, wie sie zum Beispiel von der Ph\u00e4nomenologin Ute Gahlings thematisiert werden, aus dem Beschreibungsmuster \u201eMensch\u201c heraus. Und das <strong>\u00dcberh\u00f6ren<\/strong> anderer Standpunkte und Stimmen f\u00fchrt nicht nur zu Ungerechtigkeit. Es nimmt uns auch die M\u00f6glichkeit, von diesen <strong>Standpunkten<\/strong> zu profitieren. Die Philosophin Miranda Fricker hat dies unter dem Stichwort \u201eepistemische Ungerechtigkeit\u201c beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6ren wir also einmal genauer hin!<\/p>\n\n\n\n<p>Austin schreibt, \u201ethe study of excuses may throw light on ethics\u201d. Das m\u00fcssen wir w\u00f6rtlich nehmen <em>und<\/em> in Frage stellen. <strong>W\u00f6rtlich nehmen<\/strong> m\u00fcssen wir \u201eexcuses\u201c, die nicht identisch sind mit \u7533\u3057\u8a33 [<em>m\u014dschiwake<\/em>]. Denn wenn ich zu einer Britin \u201eexcuse me\u201c sage, ist das nicht dasselbe, wie wenn ich \u201em\u014dschiwake arimassen\u201czu einer Japanerin sage. Und in Frage stellen m\u00fcssen wir den Satz genau deshalb \u2013 weil er eben jene <strong>Universalit\u00e4t<\/strong> suggeriert, die nicht gerechtfertigt ist. Die Untersuchung von \u201eexcuses\u201c kann Licht darauf werfen, wie Moral sich in sozialen Praktiken in der <em>englischen<\/em> Kultur manifestiert. Gerade durch die Unterschiede zur japanischen Kultur k\u00f6nnen wir dann aber wieder, wie Austin sagt, die Wahrnehmung der Ph\u00e4nomene sch\u00e4rfen. Denn gerade das Un\u00fcbersetzbare verweist auf den einzigartigen Blickwinkel aus der jeweiligen Sprache und Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir im japanischen (Reise-)&nbsp;W\u00f6rterbuch nachschlagen, finden wir viele <strong>\u00dcbersetzungen<\/strong> f\u00fcr: \u201eEntschuldigung!\u201c Darunter die im Alltag vielleicht am h\u00e4ufigsten gebrauchte: \u6e08\u307f\u307e\u305b\u3093 [ssumimassen]. <em>Ssumimassen<\/em> wird zum Beispiel benutzt, wenn ich eine Person in irgendeiner Form gest\u00f6rt oder versehentlich <strong>bel\u00e4stigt<\/strong> habe oder wenn ich sie bitte mich vorbeizulassen. Die Formel \u7533\u3057\u8a33\u3042\u308a\u307e\u305b\u3093 [<em>m\u014dschiwake arimassen<\/em>] dagegen ist ein typischer Bestandteil in offiziellen E-Mails. Zum Beispiel als Entschuldigung daf\u00fcr, die Zeit der angeschriebenen Person zu <strong>beanspruchen<\/strong>. Es gibt noch vieleweitere Formeln, die h\u00e4ufiger als im Deutschen genutzt werden. Und auch in Situationen, in denen wir uns im Deutschen gar nicht entschuldigen. Die Unterschiede werden noch deutlicher, wenn wir die sprechakttheoretische Ebene betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was <strong>tue<\/strong> ich eigentlich, wenn ich \u201eEntschuldige!\u201c sage? Oder <em>ssumimassen<\/em>?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEntschuldige (mich)!\u201c und \u201eExcuse me!\u201c k\u00f6nnen verschiedene Funktionen haben, von der aufrichtigen <strong>Schuld<\/strong><em><strong>anerkennung<\/strong><\/em> im Sinne eines \u201eTut mir leid\u2026\u201c bis hin zur emp\u00f6rten <strong>Schuld<\/strong><em><strong>zuweisung<\/strong><\/em>: \u201eAlso, entschuldige mal!\u201c Grammatisch betrachtet handelt es sich allerdings immer um <em>Imperative<\/em>. Und damit um die <strong>Aufforderung<\/strong>, mich zu ent-schuldigen. In diesem semantischen Sinne werden sie im Deutschen wohl am h\u00e4ufigsten genutzt. Eigentlich ein bisschen dreist. Oder? Bringen wir mit der Entschuldigung tats\u00e4chlich ein Pl\u00e4doyer, einen \u201eplea\u201c, f\u00fcr uns selbst vor? Zumindest beschreibt Austin genau so die beiden typischen Antworten auf eine Beschuldigung: die volle Verantwortung f\u00fcr eine falsche Handlung wird<em> abgelehnt<\/em>, und zwar<\/p>\n\n\n\n<p>a) mit Betonung auf \u201e<em>falsche<\/em> Handlung\u201c (Rechtfertigung): \u201eEs war ja nur ein bl\u00f6der K\u00e4fer!\u201c. Oder<\/p>\n\n\n\n<p>b) mit Betonung auf \u201e<em>volle<\/em> Verantwortung\u201c (Entschuldigung): \u201eIch habe den K\u00e4fer gar nicht gesehen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entschuldigung ist somit, wie ich sagen w\u00fcrde, eine Art <strong>Kompromiss<\/strong>: ich erkenne den Schuldvorwurf an und mildere ihn zugleich ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird noch deutlicher im Vergleich mit dem japanischen Sprechakt. <em>Ssumi<\/em> bedeutet \u201eOK\u201c oder \u201eerledigt\u201c und <em>massen<\/em> ist die <strong>Verneinung<\/strong>. Entsprechend sage ich im Japanischen, dass es <em>nicht<\/em> OK war, die andere Person versehentlich zu ber\u00fchren, w\u00e4hrend ich im Deutschen oder Englischen mich im Sinne Austins damit ent-schuldige und <em>herausrede<\/em>, dass es ja nur aus Versehen war. Sogar dann, wenn ich der Person mit voller Wucht auf den Fu\u00df getreten bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstaunlicherweise <strong>funktioniert<\/strong> das in den meisten F\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die japanischen \u201eEntschuldigungsformeln\u201c sind dagegen bei genauer Betrachtung gerade <strong>keine<\/strong> <em>Ent-schuldigung<\/em>sformeln. Sie dr\u00fccken vielmehr aus, dass ich mir selbst die Verantwortung f\u00fcr mein Handeln zuschreibe. Zumindest formal. Noch deutlicher wird dies bei <em>m\u014dschiwake arimassen<\/em>. <em>M\u014dschiwake<\/em> bedeutet \u201eEntschuldigung\u201c, \u201eRechtfertigung\u201c oder \u201eAusrede\u201c. Und <em>arimassen<\/em> ist wieder eine Verneinung. <em>M\u014dschiwake arimassen<\/em> bedeutet somit \u201eEs gibt keine Entschuldigung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Japanischen verneint die Sprecherin somit ihre eigene <strong>Unschuld<\/strong>, die dagegen in der englischen und deutschen Ent-Schuldigung postuliert oder eingefordert wird. Der erste Eindruck, dass Menschen in Japan sich <strong>h\u00e4ufiger<\/strong> entschuldigen, ist unter einem strengen linguistisch-ph\u00e4nomenologischen Blick somit richtig <em>und<\/em> falsch. Sie sagen viel h\u00e4ufiger <em>ssumimassen<\/em>, aber ent-schuldigen tun sie sich damit gerade nicht. Zumindest formal.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser <strong>Beobachtung<\/strong> haben wir nicht nur eine Eigenheit der japanischen Kultur besser kennengelernt, sondern auch die unserer eigenen Kultur: wir reden uns immer ein St\u00fcck weit heraus. Zum Beispiel: Es war ja nicht so gemeint, das mit dem \u201eSchei\u00dfvirus\u201c! Ich habe ja nicht alle Koreaner damit beleidigt, sondern nur die, die meine Lieblingsband gecovert haben! Und meine Aussage steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Umstand, dass weltweit gerade Menschen mit asiatischen Namen und asiatischem Aussehen beleidigt, <strong>angegriffen<\/strong> und sogar get\u00f6tet werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Da sind die Entschuldigungen bzw. Verantwortungs\u00fcbernahmen von Merkel und Habermas schon eine <strong>andere Hausnummer<\/strong>. Habermas spricht von einer <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/juergen-habermas-abu-dhabi-preis-1.5282093\" target=\"_blank\">\u201efalschen Entscheidung\u201c<\/a>, die er korrigiert habe \u2013 die Annahme eines <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/juergen-habermas-und-die-emiratische-propaganda-laesst-sich-der-star-philosoph-vereinnahmen-a-adfdc2f3-4ffa-4217-bb0e-c5bfd3b1aac8\" target=\"_blank\">umstrittenen Buchpreises<\/a>. Merkel sagt ganz \u00e4hnlich, der Oster-Shutdown sei mit \u201ebester Absicht\u201c geplant, aber dennoch ein <strong>Fehler<\/strong>. Dieser Fehler sei \u201eeinzig und allein\u201c <em>ihr<\/em> Fehler \u2013 \u201equa Amt\u201c sei sie daf\u00fcr verantwortlich. Sie bedaure zutiefst und bittet um Verzeihung. Fast eine japanische Verantwortungs\u00fcbernahme. Fast. Denn w\u00e4hrend letztere oft ohne vorherige Kritik durch andere kundgetan wird, folgten Habermas\u2019 und Merkels Fehlereingest\u00e4ndnisse auf <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/merkel-entschuldigung-osterruhe-wortlaut-1.5245458\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201emassive <strong>Kritik<\/strong>\u201c<\/a>. Dennoch stechen sie irgendwie heraus unter all den deutschen Ausreden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ausflug in die japanische Kultur bereichert uns nicht nur mit fantastischem Essen, faszinierenden Kunstformen und entschleunigenden Praktiken, sondern zeigt uns einen Aspekt unserer eigenen Sprachpraxis, den wir sonst allzu leicht <strong>\u00fcbersehen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir zumindest ist es erst so richtig bewusst geworden, was ich tue, wenn ich mich ent-schuldige, nachdem ich aus Japan zur\u00fcckgekehrt bin. Und das war zun\u00e4chst gar nicht so angenehm. Ich hatte einen <strong>blinden Fleck<\/strong> verloren und die F\u00e4higkeit, \u00fcber bestimmte kulturelle Eigenheiten <em>hinwegzusehen<\/em>. Zum Beispiel war mir vorher nicht bewusst gewesen, wie laut die Menschen (mich eingeschlossen) in der Berliner U-Bahn sind. Und wie sehr wir alle (mich eingeschlossen) uns permanent aus allem <strong>herausreden<\/strong>. Die anderen sind ja auch nicht leiser, da muss ich doch schreien!<\/p>\n\n\n\n<p>Seither versuche ich \u00f6fter einfach mal zu sagen: Tut mir leid!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst der Radiosender Bayern 3, dann Angela Merkel und nun J\u00fcrgen Habermas \u2013 Entschuldigungen oder Schuldeingest\u00e4ndnisse scheinen momentan in Mode zu kommen. Im M\u00e4rz 2021 widmete DIE ZEIT diesem Ph\u00e4nomen eine ganze Seite unter der \u00dcberschrift \u201eSogar der Postbote entschuldigt sich, weil er das Paket auf den Briefkasten legt, statt es nach oben zu bringen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":311,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,2],"tags":[250,256,247,257,254,246,194,132,251,248,249,164,195,238,258,137,136,253,243,260,255,29,259],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/308"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=308"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":313,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/308\/revisions\/313"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.carinapape.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}